Chefsache Brandschutz

Die Pflichten des Unternehmers sind genau festgelegt

von Gerhard Sprenger
Akzente 4/2001 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

Die Brandgefahr ist eine ernste Bedrohung für gewerbliche und industrielle Betriebe. Brandschutzmaßnahmen verhindern bei einem Brand größere Schäden an Personen, Sachwerten, Kulturgütern und Umwelt. Das optimale Zusammenspiel baulicher, technischer und organisatorischer Brandschutzmaßnahmen ist die Voraussetzung für einen wirksamen und kosteneffizienten Brandschutz im Betrieb.


Plötzlich steht der Kanister mit brennbarer Flüssigkeit in Flammen. Jetzt unvorbereitet und hilflos zu sein wäre im wahrsten Sinne des Wortes ein Spiel mit dem Feuer. Es ist Aufgabe jedes Unternehmers
sicherzustellen, dass genau das nicht geschieht. Die Sorge um die Sicherheit der beschäftigten Menschen und die Sorge um die Erhaltung des Betriebes sowie die Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit gebieten, dass der Unternehmer die gesetzlichen Bestimmungen beachtet und die erforderlichen Brandschutzmaßnahmen in seinem Betrieb realisiert.

Mehr als nur ein Brandschaden
Trotz Brandschutzvorschriften und einheitlichen Normen gibt es keinen absoluten Schutz gegen Brände. Jährlich werden Tausende von Brandfällen registriert, die Brandschäden in Millionenhöhe zur Folge haben und Tote und Verletzte fordern. Hinzu kommen betriebswirtschaftliche Schäden, die durch Betriebsunterbrechungen, Kundenverlust, Umsatzeinbußen, Lieferverzug/-ausfall und Imageverlust verursacht werden. Diese Schäden sind meist größer als der eigentliche Gebäude- und Mobiliarschaden.

Richtiges Verhalten üben
Weil ein Feuer meist plötzlich ausbricht, geraten viele Menschen in Panik. Das logische Denken versagt, und sie verhalten sich falsch. Solche Fehlreaktionen können nur verhindert werden, wenn die Mitarbeiter wissen, was sie bei einem Brand tun und wie sie sich verhalten müssen. Das gilt nicht nur im Betrieb, sondern auch zu Hause, bei Hotelübernachtungen und in der Freizeit. Deshalb ist es wichtig, das Gefahrenbewusstsein der Beschäftigten zu stärken und richtiges Verhalten einzuüben. Alle Mitarbeiter müssen Bescheid wissen über bauliche, technische und organisatorische Brandschutzmaßnahmen, Brandursachen und Brandverhinderung, richtiges Verhalten im Brandfall, die Brandbekämpfung. Mitarbeiter, die Brandentstehungsgefahren im Betrieb reduzieren bzw. vermeiden und im Ernstfall wissen, was sie tun müssen, sind wichtiger und auch kostengünstiger als aufwendige Schadensverhütungsmaßnahmen.

Keine Patentrezepte
Es gibt kein Patentrezept für Brandschutzmaßnahmen im Betrieb. Dafür sind die Betriebe zu unterschiedlich strukturiert und organisiert. Bei den Brandschutzmaßnahmen unterscheidet man Maßnahmen des vorbeugenden und abwehrenden Brandschutzes. Vorbeugender Brandschutz zielt darauf ab, die Entstehung und Ausbreitung von Bränden zu verhindern. Abwehrender Brandschutz hat die Aufgabe, Brände möglichst schon in der Entstehungsphase zu erkennen, zu bekämpfen und Gefahren für die Menschen abzuwenden. Verantwortlich für den Brandschutz ist der Unternehmer. Dazu verpflichtet ihn das Arbeitsschutzgesetz (§10). Darüber hinaus muss er eine Evakuierung und Erste-Hilfe-Maßnahmen im Ernstfall sicherstellen. Die Wirksamkeit der Brandschutzmaßnahmen einschließlich der organisatorischen Maßnahmen muss regelmäßig kontrolliert werden. Beim baulichen und technischen Brandschutz sollten unabhängig von der amtlichen Brandschau der zuständigen Behörde sachkundige Mitarbeiter mit innerbetrieblichen Brandschauen beauftragt werden. Bei der Organisation und Umsetzung des Brandschutzes im Betrieb kann sich der Unternehmer unterstützen lassen. Mitarbeiter mit entsprechender Qualifikation und Ausbildung können die Aufgaben nach den gesetzlichen Forderungen übernehmen und dem Unternehmer in beratender Funktion zur Seite stehen, z.B. Brandschutzbeauftragte. Der Arbeitskreis »Feuerschutz« im Präventionsausschuss »Nahrungs- und Genussmittel« hat einheitliche Rahmenbedingungen für den Brandschutzbeauftragten - den es übrigens schon jahrelang gibt und der keine neue Erfindung ist - erarbeitet. Danach können u.a. die Sicherheitsfachkraft bzw. Personen mit entsprechenden
Ausbildungsvoraussetzungen (BGN Sonderseminare »Industrie« und »Hotel«) nach einer einwöchigen Zusatzausbildung die Funktion des Brandschutzbeauftragten übernehmen.